Hochglanz-Videos im Employer Branding haben ausgedient. Warum Perfektionismus im Algorithmus bestraft wird und wie du mit psychologisch fundierten Mikro-Entscheidungen echte Talente gewinnst.
Hand aufs Herz: Wie lange feilt ihr an einem einzigen Instagram-Reel?
Stunden? Tage? Gibt es Abstimmungsrunden mit fünf Leuten, von denen drei gar keinen Instagram-Account haben? Das Ergebnis ist meist ernüchternd: 200 Views, 3 Likes – und die kommen oft aus dem eigenen Team oder von der Agentur selbst.
Die erste Reaktion ist oft: „Wir müssen die Qualität erhöhen.“ Doch daas Problem ist nicht die Qualität. Das Problem ist, dass dieser Film für ein Mediensystem produziert wurde, das es so nicht mehr gibt.
Die unbequeme Wahrheit: Der Algorithmus hasst deinen Perfektionismus
Instagram – und damit auch modernes Employer Branding – belohnt kein Hochglanz. Der Algorithmus ist eine Maschine, die auf drei Dinge optimiert ist:
- Relevanz (Interessiert es mich jetzt?)
- Wiederholung (Sehe ich dich oft genug?)
- Lernfähigkeit (Reagierst du auf Daten?)
Ein aufwendig produzierter Imagefilm wirkt dabei oft sogar kontraproduktiv. Er ist zu glatt. In einer Ära der Authentizitäts-Sehnsucht schafft Perfektion Distanz, wo eigentlich Nähe entstehen müsste. Menschen vertrauen nicht dem schönsten Film, sondern dem glaubwürdigsten Signal.
Wenn dein Employer Branding wirklich konvertieren soll, musst du die Regeln ändern. Hier sind 4 Strategien, die psychologisch und technisch funktionieren.
1. Quantität schlägt Politur (Dank Mere-Exposure-Effekt)
Instagram ist heute stark interessenbasiert. Wer nur einmal pro Woche „den perfekten Post“ absetzt, findet algorithmisch kaum statt. Sichtbarkeit entsteht heute durch Frequenz, nicht durch Einzelwerke.
Der psychologische Hebel: Hier greift der sogenannte Mere-Exposure-Effekt. Die psychologische Forschung zeigt: Je häufiger Menschen einem Reiz ausgesetzt sind, desto vertrauter und sympathischer wird er wahrgenommen – völlig unabhängig vom Inhalt.
Das Learning: Traut euch, unperfekter zu sein, aber dafür öfter. Wichtig: Quantität heißt nicht Beliebigkeit. Sie funktioniert nur, wenn Inhalte in wiederholbaren Formaten getestet, gemessen und iteriert werden.
2. Die „Morgens-Abends-Logik“ nutzen
Menschen sind keine Roboter. Ihr Gehirn verarbeitet Informationen morgens anders als abends. Wer das ignoriert, verbrennt Budget. Nutzt folgende Strategie:
- Morgens (Reichweite): Nutzt Reels mit leichtem Einstieg. Zeigt Alltag, Perspektiven aus dem Team oder humorvolle Einblicke.
- Ziel: Reichweite, Erstkontakt, „Vibe“.
- Abends (Conversion): Nutzt Karussells oder Textposts mit Fakten, Benefits und konkreten Rollenbeschreibungen.
- Ziel: Einordnung, rationale Prüfung, Entscheidung.
Employer Branding ist kein One-Step-Pitch. Es ist eine Abfolge von Mikro-Entscheidungen. Erst müsst ihr die Kultur fühlbar machen, dann Fakten liefern.
3. Recycling ist kein Faulsein, sondern Effizienz
Ein Post hat gut funktioniert? Großartig. Dann ist er kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein validiertes Signal.
Bringt exakt diesen Inhalt nach ein paar Wochen erneut. Identisch oder minimal angepasst. Die harte Realität ist: Niemand erinnert sich an euren Content von vor zwei Monaten. Algorithmen erinnern sich aber sehr wohl daran, was funktioniert hat. Wiederholung spart Ressourcen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, genau das Talent zu erreichen, das beim ersten Mal nicht online war.
4. Das B-Roll-System: Infrastruktur statt Content-Chaos
Viele HR-Teams scheitern nicht an Ideen, sondern am Produktionsaufwand. „Wir können nicht jede Woche drehen!“ müsst ihr auch nicht. Die Lösung ist kein größerer Dreh, sondern ein Asset-System.
Filmt kurze, neutrale Videosequenzen aus dem Arbeitsalltag (max. 7 Sekunden):
- Laptop aufklappen
- Lachen im Meeting
- mitten in der Arbeit (Handwerk)
- der Gang zur Kaffeemaschine
- Whiteboard-Sessions
- Dialoge
Das ist euer Trägermaterial (B-Roll). Speichert es ab. Die eigentliche Differenzierung entsteht später über den Text (Hooks) oder das Voiceover, das ihr darüber legt. So wird aus einem Clip nicht „Kaffeemaschine läuft“, sondern ein wiederverwendbares Kommunikationswerkzeug für Themen wie „3 Gründe für uns“ oder „Was wir anders machen als Konzern X“.
Fazit: Vom Filmpreis zum System
Employer Branding ist kein Filmpreis-Wettbewerb. Das heißt nicht, dass Filme langweilig sein sollen. Im Gegenteil: Je smarter und pointierter, desto besser.
Aber was viele vergessen: Erfolgreiches Recruiting auf Social Media ist ein System aus Tests, Wiederholungen und Wahrscheinlichkeiten. Nicht der eine perfekte 30.000€-Film bringt den Traumkandidaten. Es ist die konsequente Präsenz zur richtigen Zeit mit der richtigen Botschaft.
Wer bereit ist, weniger zu inszenieren und mehr zu lernen, gewinnt hier.
Du willst Employer Branding nicht mehr als teure Kampagne, sondern als messbares System aufbauen? Dann lass uns sprechen. Schreib mir oder buch dir direkt einen Termin für einen Reality-Check. Wir schauen, ob und wie ich euch unterstützen kann.

